Resümee des digitalen „Corona-Lernens“ und Forderungen für die Zukunft

Pressemitteilung

Resümee des digitalen „Corona-Lernens“ und Forderungen für die Zukunft

Einschätzung und Absichtserklärung der Landesschülervertretung Thüringen

Seit nunmehr vier Wochen lernen alle Thüringer Schülerinnen und Schüler daheim und sind auf digitale Möglichkeiten angewiesen. Dabei bleibt das Homeschooling, entweder aufgrund des hohen Aufgabenpensums oder der mangelnden Selbstdisziplin, bei den meisten auch in den Osterferien nicht aus. „Für die Lernatmosphäre wäre es natürlich das Beste für die Schülerinnen und Schüler, wieder zurück in das alltägliche Schulleben zu kehren. Jedoch darf man keinesfalls Gefahr laufen, diese dadurch gesundheitlich zu gefährden.“, so Selma Konrad, Vorsitzende der Landesschülervertretung Thüringen. Bei der Entscheidungsfrage, ob man die Schulen am 20. April wieder öffnet, müssen laut der Thüringer Landesschülervertretung mehrere Aspekte berücksichtigt werden.

Deutlichere Vorschriften für das digitale Lernen erforderlich

Das Lernen in häuslicher Umgebung verlief landesweit unterschiedlich. So sind uns positive Beispiele bekannt, bei denen die Aufgabenübermittlung an Schülerinnen und Schüler funktionierte, die Lehrer, trotz vieler Umwege, für Rückfragen zur Verfügung standen und das Erledigen der Aufträge möglich war. „Das digitale Lernen läuft eher gezwungenermaßen ab. Die verschlafene Digitalisierung fällt uns auf die Füße, was wir momentan Tag für Tag spüren“, erklärt Selma Konrad. So sind vor allem Probleme bei der Kommunikationsplattform, den Möglichkeiten individuelle Fragen an den Fachlehrer oder die Fachlehrerin zu stellen und der arbeitstechnischen Überlastung der Schülerinnen und Schüler, aufgrund der Angst, den Lernstoff im verbleibenden Schuljahr nicht zu schaffen, zu erkennen. „Wir müssen auch in besonderen Zeiten die Ruhe bewahren und gemeinsam an dieser alternativen Lernform wachsen. Eine Übermenge an Arbeitsaufträgen vermittelt der Schülerschaft eine zusätzliche Verunsicherung, die in jedem Fall unterbunden werden muss“, so die Vorsitzende weiter. Falls das Szenario eintreten sollten, dass die Schulen auch, entgegen der bisherigen Veröffentlichungen, nach dem 19. April 2020 in großen Teilen geschlossen bleiben, so fordert die Landesschülervertretung Thüringen klare Vorschriften für digitales Lernen. „Viele Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr Angebote hinsichtlich digitaler Konsultationen, um individuelle Fragen stellen zu können. Die Hemmschwelle, welche viele von uns verspüren, könnte durch einheitliche Systeme unterbunden werden“, erklärt Selma Konrad. Auch verpflichtende Digitalkonferenzen mit den einzelnen Klassen könnten ein Mittel zur Bewältigung dieser besonderen Situation sein. Daher begrüßt das Gremium die derzeitige Prüfung von datenschutzrechtlich einwandfreien Plattformen durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, fordert aber zugleich, die entsprechenden Ergebnisse schnellstmöglich an Lehrerinnen und Lehrer zu übermitteln. Dazu Selma Konrad weiter: „Die Thüringer Schulcloud hat noch viel Potenzial. Dieses gilt es durch Ausprobieren und Evaluieren gemeinsam herauszufordern.“

Fristen als Voraussetzung für zukünftig unkomplizierten Schulbetrieb

Obwohl zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abzusehen ist, wann wieder Normalität in die Thüringer Schulen einkehrt, brauchen die Schülerinnen und Schüler Fristen, um ihrer Pflicht gewissenhaft nachzugehen. Besonders im Hinblick auf Absolventinnen und Absolventen muss schnellstmöglichst Klarheit geschaffen werden. Dazu die Vorsitzende: „Die unbekannten Prüfungstermine sind viel mehr als Ungewissheit. Sie führen zu psychischen und mentalen Belastungen bei den Betroffenen.“ Auch wenn es für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger ebenfalls keine Gewissheit und Versicherung gibt, sollten spätestens am Ende der Ferien Prüfungstermine feststehen, um den Abschlussschülerinnen und -schülern Planungssicherheit zu gewährleisten. „Für unsere Schülerinnen und Schüler ist die Prüfungsvorbereitung gerade ein Lernen ohne Ziel. Niemand weiß, ob ihm morgen die Nachricht übermittelt wird, dass er in drei Wochen seine Abschlussklausur schreibt“, erklärt Selma Konrad. Im gleichen Zuge sollte den Abschlussklassen freigestellt werden, ob sie die bis zur Prüfung verbleibende Zeit für Konsultationen mit Lehrerinnen und Lehrern oder für die individuelle Vorbereitung nutzen. Zudem muss eine Regelung für die Erhebung von fehlenden Leistungsnachweisen gefunden werden.

Strategie für die schrittweise Wiederöffnung der Schulen

„Vor lauter Diskussion um die Abschlussklassen, dürfen wir den Rest nicht im Regen stehen lassen!“, so Selma Konrad, Vorsitzende des Gremiums. Deshalb muss auch den restlichen Thüringer Schülerinnen und Schülern Klarheit gegeben werden, ab wann sie sich auf den Schulbesuch einstellen müssen. Dies ist vor allem im Hinblick auf Infektionsschutzauflagen der Experten erforderlich, da sich auch die Schülerschaft erst auf die Maßnahmen einstellen und -gewöhnen muss. „Aus unserer Sicht sind die Meinungen der Experten ausschlaggebend. Jedoch brauchen auch wir Zeit, um Maßnahmen, die uns noch vor zwei Monaten utopisch erschienen und nun unabdingbar sind, zur Gewohnheit werden zu lassen“, so die Vorsitzende. Dabei sind sowohl die Ausstattung der digitalen Möglichkeiten in sozial schwachen Familien, der fehlende Lerninhalt und die noch zu erbringenden Leistungen, als auch die Risikogruppen und Angehörige der Risikogruppen zu beachten. „In dieser neuen Situation müssen wir uns auf die Expertenmeinungen verlassen. Ob und wann die Schule ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen, sollte das Bildungsministerium in enger Abstimmung mit den Expertinnen und Experten und unter Beachtung der genannten Aspekte entscheiden. Ob die Wiederaufnahme des Unterrichts klassenstufenweise erfolgt oder als erstes diejenigen mitgenommen werden, die aufgrund mangelnder technischer Ausstattung das Homeschooling nicht wahrnehmen konnten, obliegt in unseren Augen einem Expertenrat“, erklärt die Vorsitzende der landesweiten Vertretung der Thüringer Schülerschaft. Weiterhin warnt sie davor, Entscheidungen zu früh zu treffen.

Auch die Soforthilfen für Einnahmeausfälle der Horte und Kostenerstattung für ausgefallene Klassenfahrten begrüßt die Landesschülervertretung Thüringen. Dadurch wird vielen Familien eine Last genommen. „Eins dürfen wir bei der ganzen Debatte nicht vergessen: Auch Bildung steht nicht über der Gesundheit der Menschen“, plädiert Selma Konrad. Sie betont, dass es trotz dessen wichtig sei, den Schülerinnen und Schülern Informationen zukommen zu lassen, damit sie sich nicht abgeschottet fühlen. Daher fordert die Landesschülervertretung Klarheit bis Ende dieser Woche.

One thought on “Resümee des digitalen „Corona-Lernens“ und Forderungen für die Zukunft

  1. Hallo,

    ich bin Schüler einer 10. Klasse an einem Thüringer Gymnasium. In Kürze soll die BLF stattfinden. Das ist mittlerweile Psychoterror. Eine Vorbereitung gab es bislang nicht. Den Kopf frei zum Lernen hat man auch nicht. Mehr als mit 1 Lehrer in einem BLF Fach hatten wir in den letzten Wochen null Konkatkt. Ich bin dafür, dass direkte Abschlussprüfungen stattfinden, wo Schüler danach die Schule verlassen und sich bewerben müssen für Ausbildung oder Uni, aber nur mit genügend Vorbereitungszeit direkt in den Prüfungsfächern.
    Die BLF regelt allerdings ausschließlich die Versetzung in die Oberstufe, dass muss ausgesetzt werden! Mein Jahrgang muss Gewissheit haben auf die Chance, ein ordentliches Abitur abzulegen, wenn bessere Zeiten sind. Nachhilfe findet auch nicht statt. Auch die Crashkurse für viele besonders in Mathe wichtig kurz vor der BLF wurden abgesagt. Ich hoffe auf eine Aussetzung der BLF, diese Prüfung gibt es ohnehin nicht in jedem Bundesland und durch die vollen Stundenpläne in Klasse 10 findet hier auch ohne Corona schon kaum eine ausreichende Vorbereitung statt. Die BLF stattfinden zu lassen wäre sehr ungerecht im Vergleich zu anderen Jahrgängen. Gebt uns die Chance auf die Oberstufe und ordentliches Lernen nach Corona. Es ist unsere Zukunft. Gesundheit und Fairness sollten oberste Priorität haben. Sinnvoll wäre es zum Beispiel die Seminarfacharbeit vorzuziehen und hier Einführungskurse Online mit den Schülergruppen zu machen, um das vorzubereiten. Die Schüler könnten dann zu Hause schon mit der Bearbeitung der Seminarfacharbeit beginnen.

    Danke und Viele Grüße,
    Tom

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